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Erinnerungskultur - Publikationen, EKBO.

Erinnerungskultur - Publikationen, EKBO.

RSSPrint

Erinnern zielt auf Zukunft

Wissenschaftlicher Beirat für Erinnerungskultur der EKBO

Konzept  Erinnerungskultur und Gedenkstättenarbeit in der EKBO – Grundlagen und Handlungsstrukturen


Kirchliche Erinnerungskultur umfasst mehr als das Rezipieren von Vergangenem. „Gedenken hat das Potential zur Konstruktion, zum Neu-Schaffen. Gedenken zielt auf Zukunft“, so hat es der frühere Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider, in seiner Rede beim Johannisempfang 2014 beschrieben. Indem die Kirche Zeugnis ablegt für die Vergangenheit, bietet sie Orientierung für das Leben in der Gegenwart und Zukunft: Ohne das Zurückgreifen auf eigene Erinnerung verliert ein Mensch seine Identität. Das gilt auch für die kollektive Erinnerung von Gemeinden und Kirche: Nur im Lernen und Verstehen der eigenen Vergangenheit werden sie zu ethisch verantwortungsvollem Handeln befähigt.

Erinnerungskultur hat eine lange biblische und liturgische Tradition. Auch säkulare - staatliche wie bürgerschaftliche - Formen des Gedenkens haben ihren Ursprung in der religiösen Praxis. In der EKBO gibt es eine beachtliche Erinnerungs- und Gedenkkultur, die sich ständig weiter entwickelt und nach zeitgemäßen Formen fragt, auch um junge Menschen einzubeziehen. Sie beruft sich bewusst auf ihre biblischen Wurzeln und ist Teil der Glaubenspraxis und des kirchlichen Handelns:

  • Gedenktage werden ins Kirchenjahr integriert und liturgisch begangen.
  • Menschen, die aus ihrem christlichen Glauben heraus Widerstand gegen Diktatur und Unrecht leisteten, werden als Glaubenszeugen wahrgenommen.
  • Lern- und Erinnerungsorte werden auch durch kirchliches Handeln zu Gedenkorten, an denen auch spirituelle Erfahrungen gemacht werden können.


Kirchliche Erinnerungskultur ist kein Selbstzweck, sondern will Gerechtigkeit und Frieden fördern. Christinnen und Christen sind aufgefordert, sich an der Erinnerungsarbeit aktiv zu beteiligen, der Schuld und Versäumnisse zu gedenken und die Verantwortung der Kirche und ihrer Gemeinden zu benennen, wo sie geschwiegen oder mitgemacht haben, statt sich dem Unrecht entgegen zu stellen, damit sich solches nicht wiederholt. Den Opfern, die namenlos gemacht wurden, soll eine Stimme gegeben werden. Erinnert werden soll aber auch an Menschen, die protestiert haben gegen Unrecht und Unmenschlichkeit und dafür mit der Freiheit oder mit dem Leben bezahlen mussten. Ihr Vorbild ermutigt Menschen heute zu verantwortlichem und widerständigem Handeln.

Letzte Änderung am: 20.02.2017